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Ausstellungen | Ausstellung

Michael Gülzow - Das Tor zur Unwirklichkeit

Kunsthaus Graz

Was wäre, wenn wir uns einfach zwischen Nachrichten und fiktiven Welten hin- und her bewegen könnten, seien es Science-Fiction-Filme oder KI-generierte Fake-Realitäten? Würden wir es bemerken oder sind diese Welten schon so ununterscheidbar geworden, dass wir sie alle für gleichermaßen wahr – oder Fake – halten würden? In Michael Gülzows Videoinstallation, die rund um eine neue Drei-Kanal-Videoarbeit aufgebaut ist, wie auch in dem von ihm gestalteten Trailer zur Diagonale ’26, können die Protagonist*innen nicht nur durch die Zeit reisen, sondern wechseln dabei auch mühelos zwischen Nachrichtensendungen, Szenerien des Science-Fiction-Genres und „alternativen Fakten“. Der Künstler löst durch die raffinierte Montage von Found Footage und selbst gedrehtem Material die Grenzen zwischen Realität und Fiktion auf und lässt sie in einen vielschichtigen und humorvollen Dialog treten. Er untersucht kritisch das Spannungsfeld von zeitgenössischer Bildproduktion (mit ihren sich rasant entwickelnden technologischen Möglichkeiten) und der medialen Konstruktion von Wahrheit (mit ihren beängstigenden Strategien der Verführung und Täuschung). Durch die offensichtliche Bearbeitung und Montage in Glitch- und Retro-Ästhetik schafft er keine Illusionen, sondern macht die Mechanismen medialer Manipulation sichtbar und dekonstruiert durch die Selbstermächtigung der Protagonist*innen postfaktische Narrative. Die Ambivalenz von visuellem Wahrheitsbeleg und der Konstruktion (fiktiver) Realitäten liegt im Wesen des Filmischen selbst. Konsequenter und ironischer Weise genau in diesem Medium fragt Gülzow angesichts des gefühlten Kontrollverlusts in einer hypermedialisierten Welt, ob wir uns unser Bild von Welt noch selbst machen oder ob wir diese Kompetenz schon längst an die Medien und künstliche Intelligenzen abgegeben haben. Michael Gülzow, geboren 1982 in Kiel, hat an der Akademie der bildenden Künste in Wien Medienkunst und Experimentalfilm bei Constanze Ruhm und Harun Farocki sowie an der Muthesius Kunsthochschule Kiel bei Stephan Sachs und Else Gabriel studiert. Sein Spielfilmdebüt, die Mockumentary Der tote Winkel der Wahrnehmung, wurde bei der Diagonale 2025 mit dem Preis für Innovatives Kino ausgezeichnet. Er lebt als Künstler und Filmemacher in Wien. In Kooperation mit Diagonale '26 Kuratiert von Martin Grabner (Bild: Filmstill © Michael Gülzow)
Ausstellungen | Ausstellung

Cemra - Ziamliačka

Kunsthaus Graz

Ziamliačka – belarussisch für „eine Frau, die vom gleichen Boden stammt“ – ist Cemras aktuellstes Projekt, Performance, Installation und Herzensangelegenheit zugleich. Am Beginn stand der (verbotene) Transport von 225 kg belarussischer Erde nach Polen und die Extraktion des Dufts, um auf diese Weise die ihr unerreichbare Heimat und damit verbundene Erinnerungen als olfaktorisches Archiv zu bewahren. Gerüche sind starke Erinnerungsträger, da sie direkt mit dem limbischen System verbunden sind. Dadurch können sie scheinbar vergessene Erinnerungen blitzschnell heraufbeschwören. Der Prozess der Duftextraktion erstreckte sich dabei über mehrere Monate und Phasen. Schichten von Erde auf Vaseline wurden von Cemra alle zehn Tage dreimal gewechselt, anschließend weitere zehn Tage lang mit Alkohol bedeckt und danach 24 Stunden lang verdunstet. Fett und Ethanol konservierten dabei den Geruch dessen, was der Künstlerin weggenommen wurde. So bleibt das Extrakt in der Installation in einem handgeblasenen Flakon auch nur sicht- und nicht direkt riechbar. Die Erde, die Cemra installativ in einem minimalistischen Glaskubus in der Needle des Kunsthauses Graz aufgehäuft präsentiert, ist mehr als nur Materie: Sie ist ein politischer Körper, der Grenzen überschreitet, Heimat bewahrt und sich der Auslöschung widersetzt – indem sie privaten Verlust in ein gemeinsames Archiv für alle Exilant*innen verwandelt. Gleichzeitig steht sie für jene Energie, die Cemra während ihrer Jahre im Exil verloren hat und die es wieder aufzufüllen gilt: „Wahre Kraft kommt nicht nur von denen, die neben dir stehen, sondern auch vom Boden unter deinen Füßen.“ Zur Eröffnung ihrer Ausstellung im Kunsthaus Graz schließt Cemra den Bogen, der mit einem aktivistischen Akt begonnen hat, mit einer poetisch-melancholischen Performance, in der sie ein Schlaflied aus der für sie verlorenen Heimat neu interpretiert. „Cemra“ bedeutet Dunkelheit. Unter diesem Namen arbeitet die aus Belarus stammende Künstlerin Darya Siamchuk (* 1990 in Grodno), die seit den Razzien der prorussischen Regierung 2022, die sich gegen freie Meinungsäußerung und unabhängige Organisationen der Zivilgesellschaft richteten, in Warschau im Exil lebt. Der Schmerz und die Risse, die die Situation in ihrer Heimat mit sich bringt, spiegeln sich deutlich in Cemras Werken wider. Sie handeln von Verletzlichkeit, Repression, Trauma und Solidarität und vermitteln eine Schwere, die die Grausamkeit und Gewaltbereitschaft des Regimes gegenüber Kritiker*innen spürbar macht. Dennoch lässt Cemra ihre Heimat nicht los. In ihren multidisziplinären Arbeiten tauchen wiederholt nationale Embleme und Symbole auf, die sich sowohl als patriotische Codes als auch als Ausdruck der Resilienz eines unterdrückten Volkes lesen lassen. Kooperation mit Kulturvermittlung Steiermark Kuratiert von Alexandra Trost (Bild: Cemra. Ziamliačka, 2025; Courtesy der Künstlerin)
Ausstellungen | Installation

Finnegan Shannon

Kunsthaus Graz

Die Arbeit von Finnegan Shannon beschäftigt sich mit dem Thema Barrierefreiheit und mit der Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderung. Die Entwicklung von Sitzmöbeln mit weißen, oft lustig-provokanten Schriftzügen weist darauf hin, dass in den öffentlichen Räumen oft darauf vergessen wird, genug Sitzgelegenheiten bereitzustellen. Sitzen ist demokratisch. Denn Sitzende sind auf Augenhöhe, entspannt und einander zugewandt. Inklusion ist im Kunsthaus Graz seit Jahren wichtiges Thema des Leitbildes und der Vermittlung. Schwellenlos ist bereits die Architekturvermittlung gedacht, beispielsweise mit Spezialführungen für Menschen mit Behinderungen. Inklusion bedeutet in diesem Fall sowohl rückläufige Zusammenarbeit als auch Sichtbarmachung von Bedürfnissen jenseits der sogenannten Norm. In diesem Zusammenhang sind im Ausstellungshaus immer wieder auch die Sitzgelegenheiten ein Thema: Sitzen ist ein wichtiges Bedürfnis – zum Ausruhen, zur Kontemplation, aber auch zum Zusammenkommen. Passend zur neuen Bank aus Finnegan Shannons Projektreihe Do you want us here or not wurden auch die Sitzbänke am Vorplatz in Azurblau eingefärbt. Mit freundlicher Unterstützung von styrianARTfoundation und Saubermacher.
Ausstellungen | Installation

Maruša Sagadin - Speak More Truth, Eat More Fruit

Kunsthaus Graz

Die in Wien lebende Künstlerin Maruša Sagadin, bekannt für ihre schrägen skulpturalen Interventionen, wurde vom Kunsthaus Graz eingeladen, eine ortsspezifische Intervention für den Vorplatz des Hauses zu entwerfen. Als Antwort auf die Umgebung und das Haus entstand der Entwurf für eine mehrteilige, raumgreifende Skulptur. Sie besteht aus Granitsteinen mit hölzernen Sitzflächen, bietet Raum und Witz und ist einladend bunt bemalt. Für den Stadtraum kombiniert das temporär geplante Projekt skulpturale Elemente, die einerseits Markierungen für das Haus und seine Inhalte darstellen und andererseits ein Angebot an Passant*innen und Wartende sind, sich niederzulassen und sich mit dem Ort zu beschäftigen. Das Zentrum der Arbeit bildet eine skulpturale, röhrenförmige Hängevorrichtung mit einer überdimensionalen, ca. 1 m hohen, gelb lackierten Birne. Speak More Truth, Eat More Fruit zitiert einen Song der Rapperin Speech Debelle und ist zugleich Aufforderung und Verweis auf die Wurzeln der Künstlerin, die Elemente der Street-Art-, Pop-, Comic- und Hip-Hop-Kultur vereint. Sagadins Arbeit bricht lustvoll mit etablierten Codes und legt dabei sensibel soziale Ein- und Ausschlussmechanismen im urbanen Raum offen. Kuratiert von Katrin Bucher Trantow Kooperation mit Marko Hotels (Bild: © Maruša Sagadin, Christine König Galerie, Wien, Bildrecht, Wien 2025)
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BIX-Medienfassade: Radikale Hoffnung - Flavia Mazzanti

Kunsthaus Graz

Beyond My Skin von Flavia Mazzanti wird als Gewinnerprojekt der BIX-Ausschreibung auf der Medienfassade des Kunsthauses Graz gezeigt. Das Projekt erforscht die Interaktion zweier Körper im physischen-digitalen Raum, wobei Nähe und Intimität über Distanz erfahrbar werden. Installation an der Fassade und im Foyer Für die Fassade wechselt die Installation zwischen eingefrorenen Momenten der Begegnung und fließenden Strömen aus Licht und Energie, die die Suche nach Verbindung und Austausch im urbanen Umfeld von Graz übersetzen. Parallel dazu lädt eine Mixed-Reality-Installation im Foyer Besucher*innen ein, der Choreografie und den tanzenden Körpern im digitalen Raum zu begegnen und selbst Teil der virtuellen Begegnung zu werden. Hintergrund des Projekts Beyond My Skin ist ein künstlerisches Langzeitprojekt der Multimedia-Künstlerin Flavia Mazzanti (* 1994 in Italien/Brasilien, lebt in Wien und São Paulo). Es beschäftigt sich mit wachsenden Räumen technologisch-analoger Hybridität. Das Projekt begann als interaktive Installation und Live-Performance und befasst sich mit dem Konzept der Berührung im physisch-digitalen Raum. Performer*innen wurden in Echtzeit mittels Motion-Capture-Technologie in abstrakte digitale Konfigurationen transformiert und sind seither in verschiedenen Formaten erfahrbar: als interaktive Installation, Live-Performance und Videoinstallation. Entwicklung und bisherige Stationen Die Live-Performance hatte im Mai 2023 am AIL – Angewandte Interdisciplinary Lab in Wien Premiere. Seitdem wurde das Projekt u. a. im esc medien kunst labor in Graz im Rahmen des steirischen herbsts 2023 sowie im März 2024 im Deep Space 8K des Ars Electronica Centers gezeigt. Darauf aufbauend erweiterte sich das Projekt um neue Ebenen: Mixed-Reality-Interventionen im öffentlichen Raum in Wien, Tokio und São Paulo. Später wurde es für Ausstellungen bei internationalen Festivals und Institutionen adaptiert, darunter das MESH Festival in Basel, das Festival der Zukunft im Deutschen Museum in München sowie die CONTRAST Gallery in Tokio. BIX-Fassade als neuer Schauplatz An der Medienfassade des Kunsthauses Graz schmiegen sich die beiden Körper nun an die organische Architektur, füllen die hervortretenden Rundungen aus und tragen den Dialog zwischen digitalen und analogen Körpern unmittelbar in den Stadtraum. Die digitalen Schatten der Figuren – die sich annähern, überlagern, verdrängen, auflösen und verdichten – schaffen ein assoziatives Bild verschmelzender digitaler und analoger Realitäten, wie wir sie im Alltag erleben. Juryentscheidung und Relevanz Die Jury wählte die Arbeit aufgrund ihrer direkten Ansprache. Im Sinne einer „Radikalen Hoffnung“ birgt sie das Potenzial, digitale und analoge Welten unvoreingenommen und produktiv miteinander in Einklang zu bringen. Die sich auflösende menschliche Figur macht dies unmittelbar verständlich und lädt sowohl an der Fassade als auch im Foyer dazu ein, virtuelle und analoge Welten bewusst zu erleben. Kuratiert von Katrin Bucher Trantow Kooperation mit Energie Graz (Bild. Video Still © Flavia Mazzanti)
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Emilija Škarnulytė - Waters call me home

Kunsthaus Graz

Die Künstlerin Emilija Škarnulytė (* 1987 in Vilnius, Litauen) arbeitet zwischen Dokumentation und Imagination. Ihre Filme und Installationen erforschen die Tiefen der Zeit und unsichtbare Strukturen, vom Kosmischen und Geologischen bis zum Ökologischen und Politischen. Mit mythologischer Symbolik angereichert, eröffnen ihre Werke eine Sichtweise jenseits der rein menschlichen Perspektive. Figuren wie die Sirenomelia – inspiriert von der ältesten mythischen Gestalt der Menschheitsgeschichte, der Meerjungfrau, und verkörpert durch die Künstlerin selbst – sowie verschiedene weibliche Gottheiten bevölkern eine Welt, die durch den Menschen gezeichnet ist. In den entlegensten Winkeln jenseits menschlichen Einflusses bleibt die Hoffnung bestehen, dass es ein Leben nach der Zerstörung geben kann. Für ihre Einzelausstellung im kuppelförmigen Space01 erschafft Emilija Škarnulytė eine Raumerfahrung aus Video, Licht, Sound und Artefakten, die in die mystische Seite unserer Welt eintauchen lässt. Kuratiert von Katia Huemer, Alexandra Trost (Bild. Emilija Škarnulytė, Æqualia, 2023 (Videostill))
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Unseen Futures to Come. Fall

Kunsthaus Graz

Die Ausstellung Unseen Futures to Come. Fall dreht sich um die Erfahrung von Unsicherheit als wesentlichen Aspekt des heutigen Lebens. Heute wird die globale Unsicherheit durch die unkontrollierte Ausbeutung von natürlichen Ressourcen und Menschen noch verstärkt; wir sehen uns mit Umweltzerstörung, Krieg, politischer Instabilität und Massenvertreibungen konfrontiert. Dabei handelt es sich nicht nur um Krisen, sondern um Zeichen eines tiefgreifenden Wandels – ein Moment, in dem die Grundfesten der Welt, wie wir sie kennen, zu bröckeln scheinen. Im Zentrum dieser gegenwärtigen Situation stehen die komplexen und oft unsichtbaren Mechanismen von Machtverhältnissen und Machtasymmetrien, die globale Ungleichheiten prägen, den Zugang zu Ressourcen beeinflussen und darüber entscheiden, wessen Leben wertvoll ist und wessen nicht. Macht ist keine feste Größe, die man besitzen kann, sondern ein Netzwerk von Beziehungen, das in politische Strukturen, Wirtschaftssysteme und soziale Beziehungen eingebettet ist und durch diese aufrechterhalten wird. Sie verstärkt die Unsicherheit, indem sie systemische Ungleichgewichte aufrechterhält, selbst wenn sie durch Widerstand und Transformation infrage gestellt wird. Das Verständnis dieser Dynamik ist entscheidend, um zu begreifen, wie Unsicherheit in unserer Zeit sowohl erzeugt als auch herausgefordert wird. Die Unsicherheit, die unseren heutigen Zeiten zugrunde liegt, führt zu einer Ambivalenz, die im Zentrum der Ausstellung Unseen Futures to Come. Fall steht. Diese Ambivalenz spiegelt die gleichzeitige Präsenz von Licht und Dunkelheit in der conditio humana wider. Wir sind zu großer Liebe und Fürsorge fähig, aber auch zu Grausamkeit und Zerstörung. Diese Dualität ist nicht leicht zu begreifen, da sie in unsere alltägliche Erfahrung verwoben ist – etwas, das wir ohne Distanz erleben. Es scheint nun, als habe diese Ambivalenz eine dunklere Wendung genommen, und vielleicht erleben wir gerade den Niedergang der Menschheit. Dennoch können wir aus vergangenen Mustern lernen: Das Gefühl eines Endes geht oft großen Paradigmenwechseln voraus, Veränderungen, die sich nicht nur in den Produktionsweisen, sondern auch in ganzen Kultur- und Wertesystemen niederschlagen. Die Ausstellung untersucht diesen fragilen und sich wandelnden Untergrund anhand von zwölf künstlerischen Positionen, die sich mit Themen wie Unsicherheit, Zusammenbruch, Widerstandsfähigkeit und Transformation auseinandersetzen. Eines der zentralen Werke ist eine Bibliothek namens Fall. A Library of Twilight Worlds, konzipiert vom Philosophen Federico Campagna. Diese Sammlung von 250 theoretischen und philosophischen Büchern ist um die Metapher der Jahreszeiten strukturiert, die unsere Herangehensweise an die Welt und unsere Wahrnehmung derselben symbolisieren. In diesem Rahmen ist der Herbst die Jahreszeit, in der Gewissheiten verschwinden, Wissen infrage gestellt wird und die Angst vor dem Unbekannten zunimmt. Die Ausstellung verwebt Gegensätze wie Liebe und Tod, Chaos und Ruhe sowie Zerstörung und Erneuerung, um über das Paradoxon der menschlichen Existenz nachzudenken. Anstatt Antworten zu geben, laden die Werke zum Nachdenken ein und ermutigen uns, an den Fragen festzuhalten, die unsere Zeit prägen. In der Spannung des Herbstes, wenn das Alte dem Unbekannten weicht, werden wir daran erinnert, dass die Dunkelheit niemals endgültig ist. Selbst wenn die Welt ins Wanken gerät, bleibt die Möglichkeit des Lichts – und der Hoffnung – bestehen. Mit Werken von Dana Awartani, Federico Campagna, Christoph Grill, Adelita Husni Bey, Marija Marković, Vladimir Nikolić, Yhonnie Scarce (das Projekt der Künstlerin Yhonnie Scarce konnte mit Unterstützung der Australischen Botschaft gezeigt werden), Andrej Škufca, Jože Tisnikar, Sophie Utikal, Bill Viola, zweintopf. Kuratiert von Andreja Hribernik (Bild: Adelita Husni Bey, aus der Serie Briganti, Difesa (Verteidigung) (Image Theatre warm up), 2023; Courtesy der Künstlerin und Laveronica Gallery, Modica)
Ausstellungen | Museum

Grazmuseum

GrazMuseum mit der Dauerausstellung "360 GRAZ - Eine Geschichte der Stadt"
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Umweltkunstpreis: Camilla Alberti

Kunsthaus Graz

Zu viele Ressourcen werden verschwendet und landen im Müll – auch Lebensmittel. Doch im Weggeworfenen liegt Potenzial: zur Verwandlung, zur Erinnerung, zum Neuanfang. Camilla Albertis Installation Feeding the Ghost geht aus einer Auseinandersetzung mit der transformativen Kraft der Materie hervor und fragt nach ihrer Rolle bei der Neudefinition unserer Beziehung zum Anderen und zur Welt. Ihre künstlerische Praxis verweist auf alte, rituelle Traditionen, in denen das Verfallene nicht als wertlos gilt, sondern als Träger von Wissen – ein Zugang, der heute neue Dringlichkeit gewinnt. Alberti verwebt skulpturale, textile und rituelle Praktiken zu einer Formensprache der Gegenwart. Grundlage ihrer Arbeit ist eine Sammlung zeitgenössischer Ruinen: verlassene Objekte, organische und anorganische Materialien, Industrieabfälle. Diese finden in ihren Skulpturen und Textilien neue Gestalt. Für Feeding the Ghost verarbeitet sie organische Abfälle wie Schalen, Wurzeln, Kaffeesatz und Samen. Gekocht, verbrannt und pulverisiert werden diese in Pigmente, Pasten und natürliche Bindemittel verwandelt. Gemeinsam mit Blättern, Blüten und Früchten entstehen daraus fragile Formen zwischen Natur, Körper und Erinnerung. Im Zentrum steht die Vorstellung von Materie als lebendiges Archiv: ein Körper in ständiger Veränderung und ein Symbol für die Möglichkeit, zu regenerieren. Der künstlerische Prozess folgt dabei einer ökologischen Sensibilität – achtsam, forschend, verbunden mit den Kreisläufen der Natur. Aus dem Weggeworfenen erschafft Camilla Alberti geisterhafte, hybride Skulpturen – Wesen zwischen den Zeiten. Die Ausstellung Feeding the Ghost findet anlässlich der Verleihung des Umweltkunstpreises des Kunsthauses Graz statt, den dieses in Kooperation mit der Stadt Graz und dem Markt der Zukunft 2025 erstmals vergibt. Kuratiert von Katia Huemer Kooperation mit Stadt Graz und Markt der Zukunft Präsentation des Siegerprojektes "Umweltkunstpreis"
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Milica Tomić - On Love Afterwards

Kunsthaus Graz

Die Ausstellung On Love Afterwards ist ein Versuch, Themen wie Verantwortung, Sichtbarkeit und Ungerechtigkeit durch Kunst zu öffnen und anzusprechen. In Verbindung mit ihrer Praxis betrachtet Milica Tomić "ausstellen" eher als Verb und nicht die Ausstellung als Subjekt. Ihre komplexe künstlerische Praxis dreht sich um das Objekt, aber der Fokus liegt nicht auf dem Objekt selbst, sondern vielmehr auf dem negativen Raum, der es umgibt, jenem Raum, der es ermöglicht. Aus diesem Grund hat Milica Tomićs Werk komplexe Schichten, die sich vor den Betrachtenden entfalten. Wenn sie die Betrachterin*den Betrachter mit einem Bild oder einem Porträt einer Frau konfrontiert, handelt es sich nie nur um die Darstellung der weiblichen Identität, sondern die Künstlerin legt politische und soziale Nuancen offen, die genau diese Identität konstruieren. In ähnlicher Weise setzt sich Tomić mit der Besonderheit des Bildes vom Krieg auseinander, indem sie anerkennt, dass ein Bild vom Krieg und seiner Brutalität wirklich über die Darstellung hinausgeht. Aus diesem Grund versucht sie in ihren Werken, die leere Fläche rund um das fehlende Bild auszufüllen, und fordert Betrachtende dazu auf, über die Produktions- und Konstruktionsbedingungen eines solchen Bildes nachzudenken. Durch ihre Projekte hat sie sich von der individuellen zur kollektiven künstlerischen Praxis entwickelt und erforscht und erprobt neue Formen der Kollektivität. Sie ist Gründungsmitglied der jugoslawischen Kunst- und Theoriegruppe Grupa Spomenik (oder Monument Group) und Gründerin des interdisziplinären Projekts und der Arbeitsgruppe Four Faces of Omarska. Die Ausstellung gibt einen Überblick über ihre Arbeit und konzentriert sich auf Projekte wie Ungelöst XY (1997), I am Milica Tomić (1998), The Portrait of My Mother (1999), Alone (2001), Reading Capital (200 4), One day, Instead of One Night, a Burst of Machine-Gun Fire will Flash, if Light Cannot Come Otherwise (2009), Last Letter (2010), Container, Reconstruction of a Crime (2004–2011) und andere. In der gesamten Ausstellung wird jedes der ausgestellten Werke durch das Archiv kontextualisiert, das mit den ausgestellten Stücken verflochten ist. Die Rolle des Archivs, das sich durch die Ausstellung zieht, besteht darin, die Betrachter*innen zum Studium einzuladen, sich in ein bestimmtes Thema zu vertiefen, und gleichzeitig die ausgestellten Werke zu verorten, die immer Teil eines größeren Forschungsprozesses sind, der in ihrem Hintergrund stattfindet. Milica Tomić wurde in Belgrad, Jugoslawien, geboren und ist seit 2014 Vorständin des Instituts für zeitgenössische Kunst an der Technischen Universität Graz. Die Einzelausstellung im Kunsthaus Graz gibt anhand ausgewählter Projekte einen Einblick in ihre Praxis. In ihrer Arbeit kehrt sie immer wieder zu den Fragen der Abwesenheit, der Erinnerung, der politischen Gewalt und der sozialen Asymmetrien zurück. Sie arbeitet forschungsbasiert und in den Medien Fotografie, Video, Installationskunst, diskursive, pädagogische Kunst, Performance und soziopolitisches Engagement. Kuratiert von Andreja Hribernik , Irena Borić
Ausstellungen | Ausstellung

Simona Obholzer

Kunsthaus Graz

Der Rasen ist ein Bild, das nach allgemeiner Auffassung zu bewahren ist. Er ist angenehm für das Auge, weil sein Anblick schon die Erwartung weckt, sich unter den Füßen weich anzufühlen. Folglich ist es besser, ihn nicht zu betreten, um das Bild nicht durch Gebrauch zu beschädigen. Momente wie diese, die den menschlichen Körper in ein Verhältnis zum Bild setzen, interessieren Simona Obholzer und werden in ihrer Ausstellung aufgegriffen. Der Rasen in seiner Bildhaftigkeit und als Sinnbild für künstliche Natur steht nicht nur in dem von ihr gestalteten Trailer zur Diagonale’25 im Mittelpunkt der Betrachtung. Auch in ihrer Einzelausstellung Angehm für das Auge, weich für die Füße widmet sie sich dem, worauf wir vermeintlich stehen und uns vorwiegend bewegen: dem Boden. Simona Obholzers Arbeiten, die sie in verschiedenen Medien, Formaten und Techniken realisiert, untersuchen die Wechselwirkung zwischen Bild- und Erfahrungsraum. Dabei spielt die Künstlerin mit der Spannung zwischen realen und virtuellen Räumen und erzeugt Irritationen, die die Wahrnehmung schärfen und unser Bewusstsein für Raum und Körperlichkeit fördern. Kuratiert von Katia Huemer Kooperation mit Diagonale '25
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ausreißer - Die Wandzeitung

Kunsthaus Graz

Man ist sich einig: Kultur ist wichtig für Bildung, Gesellschaft und Rechtsstaat. Die Förderung von Kultur wird aktuell aber massiv gestrichen. Große Institutionen wie das Kunsthaus Graz betrifft das noch nicht. Die Kürzungen in der freien Szene wirken sofort und haben massive Auswirkungen. Dieses Projekt ist ein kollektiver Protest, der Bewusstsein schaffen soll. „Freie, kritische Kunst und Kultur ist eines der wirksamsten Mittel zur Stärkung eines demokratischen Diskurses und einer offenen, gleichberechtigten Gesellschaft.“ (ausreißer) Die Zeitschrift ausreißer erscheint seit 20 Jahren als kritische, nicht kommerzielle Wandzeitung, Faltausgabe und Onlineversion und agiert an der Schnittstelle zwischen Journalismus, Literatur und Kunst. Jeden Freitag von 16 bis 18 Uhr: Einladung zum solidarischen Austausch mit IG Kultur Steiermark u. a. Ein Projekt des ausreißer_Die Wandzeitung, Redaktion: Joachim Hainzl, Evelyn Schalk, Eva Ursprung Design: Azam Shadpour Supported by Kunsthaus Graz u. v. m. Zusatzinformationen Videoanimation, Postkarten, ein wachsendes Plakatprojekt und online
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Famakan Magassa

Kunsthaus Graz

Über die Feiertage lud das Kunsthaus Graz zu einem partizipativen Projekt mit dem Künstler Famakan Magassa, der dafür sein Atelier temporär in die Needle des Kunsthauses verlegt hatte. Das in diesem Rahmen kreierte Großformat wird nun im Foyer des Kunsthauses ausgestellt. Famakan Magassa verbindet in seinen großformatigen, farbintensiven Acrylarbeiten das Alltägliche mit aktuellen soziopolitischen Fragestellungen. Seine Arbeiten erzählen vom Bedürfnis nach individueller Entfaltung und emotionaler Verbundenheit, dem universellen Wunsch nach Freiheit, aber auch von Gewalt, Unterdrückung und Vertreibung. Seine grotesken, eher genderneutralen Figuren sind eine Anspielung auf die Kôrêdugaw – eine rituelle Gemeinschaft, die einem eigenen Verhaltenskodex und einer Philosophie folgend für die kulturelle Identität bestimmter Völker in Mali von zentraler Bedeutung ist. Sie verkörpern Werte wie tradierte Weisheit, Toleranz, Rechtschaffenheit und Demut, die auch dem Künstler wichtig sind. Über Texte und Skizzen entwickeln sich seine ausdrucksstarken Figurationen, die er in einem finalen Schritt skaliert auf Leinwandflächen am Boden überträgt. Durch den gezielten Einsatz von Humor und Ironie gelingt es ihm, die Widersprüche und Komplexität gesellschaftlicher Strukturen pointiert zu beleuchten. Dabei spiegelt seine Kunst auch persönliche Erfahrungen und Konflikte wider. Mali, das als "Heavily Indebted Poor Country" (HIPC) eingestuft ist, wird seit dem letzten Militärputsch von einer Militärjunta regiert. Zusammen mit radikal-islamistischen Dschihadisten bedroht diese das Leben und die Freiheit auch von Künstler*innen zunehmend. Magassa lebt und arbeitet derzeit als Artist in Exile im Cerrini-Schlössl am Grazer Schloßberg, organisiert und gefördert über die Kulturvermittlung und das Kulturressort der Stadt Graz. Famakan Magassa (* 1997, Mali) erwarb 2018 seinen BFA am Conservatoire Arts et Metiers Multimedia Balla Fasséke Kouyaté in Bamako, Mali. Ausgestellt hat er bisher u. a. im L’Institut-Français du Mali, der Fondation La Maison de l’Artiste in Assinie, Elfenbeinküste (2019), in der Ausstellung Hotel Sahara im BETC, Paris, Frankreich (2021). 2022 hatte er seine erste Soloausstellung SOIFS in der Albertz Benda Gallery, New York. 2023 wurde Magassa mit dem Großen Preis des Norval Sovereign African ArtPrize ausgezeichnet.
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Freeing the Voices

Kunsthaus Graz

Die Ausstellung Freeing the Voices beginnt mit einer Stimme, dem Schrei von Marina Abramović – also von einem Menschen. Im Laufe der Ausstellung entwickelt sie sich zu einer Vielzahl weiterer hauptsächlich menschlicher Stimmen und sie endet im Werk von Tao G. Vrhovec Sambolec mit der Stimme einer Mücke. Wir hören die Stimme der Mücke nicht mit unseren Ohren, ihre Präsenz entsteht aus unserem radikalen Zuhören. Zuhören ist nicht dasselbe wie Hören. Seine Besonderheit liegt in unserer Aufmerksamkeit und unserem Bewusstsein für uns selbst und andere, menschliche und nicht-menschliche Wesen und Dinge. Warum ist eine Ausstellung über die Stimme heute so wichtig? Die Welt, in der wir leben, ist völlig aus dem Gleichgewicht geraten. Die Vielzahl von Krisen und völkermörderischen Kriegen sowie der Verlust des gemeinsamen Raums, in dem Körper miteinander in Resonanz treten, haben ein Gefühl der Erstickung und Panik erzeugt. Um uns herum hat sich eine Kultur des Schweigens ausgebreitet, der Raum für freie Meinungsäußerung schwindet und der Ruf nach einer "Cancel Culture" wird immer lauter. Aber dieses Schweigen, diese Zensur ist nicht das einzige Mittel der Kontrolle. Wir sind einem Informationsrauschen ausgesetzt, das uns noch mehr überwältigt. Einem Lärm, in dem der Sinn, der uns als sozialer Körper zusammenhält, zum Schweigen gebracht wird. Angesichts all dessen reicht es nicht mehr aus, einfach festzustellen, dass wir nicht mit unserer eigenen Stimme sprechen, sondern dass dahinter immer die Stimme eines „Meisters“ steht. Es ist an der Zeit zu handeln, auch wenn es nur ein unartikuliertes Schreien oder Murmeln ist. Obwohl es so etwas wie unsere eigene authentische Stimme nicht gibt, ist die Befreiung unserer individuellen und kollektiven Stimme der gemeinsame Rahmen der gezeigten künstlerischen Arbeiten. Die Befreiung unserer Stimmen bedeutet nicht, ein Selbst zu finden, dem unsere Stimme perfekt entspricht. Was wir mit der Stimme wirklich befreien, ist unsere Beziehung zur Welt. Die Werke versuchen, die verschiedenen Stimmen bestimmter Traditionen, Nationen und ihrer Gemeinschaften und Landschaften, die Stimmen von Frauen, People of Colour, Menschen von den Rändern Europas und die Stimmen unserer individuellen Körper zu dekolonialisieren. Die Befreiung der Stimmen bedeutet atmen, schreien, dichten, singen, sprechen und murmeln. Die Künstler*innen machen auch auf die Krise der Moderne und ihrer rationalen Konstruktionen aufmerksam. Ihre Sprache geht über universelle Konzepte hinaus und verkörpert besondere Erfahrungen und Wissen. Eine Stimme ist immer eine spezifische Stimme. Und es gibt keine Stimme, die nicht gehört werden kann, also sind die befreiten Stimmen nur jene, die gehört werden. Und Zuhören hat die Kraft zu heilen, zu verbinden und Widerstand zu leisten. Mit Werken von Marina Abramović, Lawrence Abu Hamdan, Noor Abed, Babi Badalov, Selma Banić, CO2... a couple of artists, VALIE EXPORT, Farhad Farzali, Essa Grayeb, Ida Hiršenfelder, Saodat Ismailova, Anna Jermolaewa, Mikhail Karikis, Anton Kats, Belinda Kazeem-Kamiński, Brandon LaBelle & Octavio Camargo, Katalin Ladik, Lucia Nimcová, Lala Raščič, Antoni Rayzhekov, Gerhard Rühm, Selma Selman, ŠKART & NONpractical Women collective, Mladen Stilinović, Irena Z. Tomažin, Nora Turato, Tao G. Vrhovec Sambolec. (Bild: Ida Hiršenfelder (beepblip), Spiral Fluctuations, chambers for multisensory listening, 2024; Foto: Katja Goljat/Projekt Atol) Kuratiert von: Zdenka Badovinac Co-Kuratiert von: Martin Grabner

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