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Kunsthaus GrazLendkai 1
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Bewertungen & Berichte Kunsthaus Graz
30 % Löwenzahn
Der Löwenzahn – als Blume, botanisches Gewächs, kulturelles Symbol und ästhetisches Phänomen – besitzt Stärke und stillen Mut. Unauffällig und doch ausdauernd passt er sich radikal an, kehrt zurück und leistet Widerstand. Unter dem Titel 30 % Löwenzahn vereint die Ausstellung im Kunsthaus mehr als 35 Werke, die sich der Blume und ihrer direkten Verbindung mit dem Menschen widmen – der Mensch teilt etwa 30 % seines genetischen Materials mit der Blume –, mit einzelnen Leihgaben aus den Sammlungen des Universalmuseums Joanneum. In den Arbeiten begegnen wir der Schwermut einer bröckelnden Gegenwart. Gleichzeitig nehmen sie uns mit auf eine Reise in die uns vertraute, schöne und berauschende Ästhetik der Blume und ihres Ausdrucks der Lebensfreude. Es geht dabei um wiederkehrende Ankunft, symbiotische Kooperation und Abschied: poetisch, politisch und ökologisch.Der Löwenzahn fungiert dabei sowohl als Leitbild für adaptive Stärke als auch für eine Sprache, die von allen gesprochen wird. Im Geiste der Floriographie – der historischen Sprache der Blumen – wird er zu einer transkulturellen Geste der Anerkennung und Kommunikation: übersehen, aber beharrlich und schön. Als Blume der Ränder, der Wiesen und Gärten bietet er ein symbolisches Vokabular, das sich normierender Einengung widersetzt, in Alltagssprachen spricht, Heilkräfte besitzt und niederschwellig in der strahlenden Farbe der Sonne die ihn befruchtenden Insekten anlockt. Die Ausstellung stützt sich dabei ebenso auf das Konzept des "entanglements" wie auf philosophische und ökologische Rahmenkonzepte der „ästhetischen Offerte“ (Elaine Scarry) und der „kritischen Hybridität“ – und verbindet sich darüber auch mit der Ausstellung Hybrid Pleasures. Helen Chadwick supported by Liesl Raff im Obergeschoss, in der produktive und provokative Formen einer vielstimmigen Hybridität zum Thema werden. Die „entanglements“ bzw. Verflechtungen werden dabei, wie es von Denker*innen wie Donna Haraway, Karen Barad und Timothy Morton formuliert wurde, ebenso politisch und kolonial aufgeladen wie als gattungs- oder geschlechterüberschreitend verstanden. Wenn Haraway schreibt: „Wir werden miteinander oder gar nicht“, gilt es, diesen Verbindungen auf die Spur zu kommen und die Erkenntnisse für eine gerechte Zukunft nutzen.
Inmitten ökologischer Krisen, kolonialer Nachwirkungen und digitaler Beschleunigung fordert 30 % Löwenzahn neue Formen der Aufmerksamkeit – abgestimmt auf das, was langsam wächst, Zeit fordert und still zurückkehrt. Die Blume an sich, aber auch der Löwenzahn mit seinen sich ausbreitenden Samen, seiner natürlichen Heilkraft und seinem gemeinschaftlichen Gedeihen verkörpert dieses Prinzip einer ethischen Lebensweise der Koexistenz.
Mit u. a. Iris Andraschek, Suzanne Anker, Karl Blossfeldt, Andrea Bowers, Viltė Bražiūnaitė & Tomas Sinkevičius, Claude Cahun, Regula Dettwiler, Spencer Finch, Barbara Frischmuth, Anita Fuchs, Yevhen Holubentsev, Sanja Iveković, Anna Jermolaewa, Markus Jeschaunig, Claudia Larcher, Jonas Mekas, Joiri Minaya, Ryts Monet, Alois Neuhold, Agnieszka Polska, Anna Ridler, Ugo Rondinone, Martha Rosler, Sonya Schönberger, Nina Schuiki, Elfie Semotan, Petr Štembera, Alexander Stern, Thomas Stimm, Michael Stusser, Neja Tomšič, Dirck van Rijswijk, Anna Zemánková und weiteren Leihgaben aus Sammlungen der Kulturgeschichte, Naturkunde oder Literatur entfaltet sich die Ausstellung als vielstimmige Auseinandersetzung mit der Blume, ihrer Zuschreibung und Kraft der Anziehung.
Das Projekt ist Teil des Kooperationsprojekts BLOOM, das von Frühling bis Winter 2026 die Standorte des Universalmuseums Joanneum verbinden wird.
(Bild: Joiri Minaya, Shield, 2022, © Joiri Minaya)
30 % Löwenzahn bewerten:
Bewertungen & Berichte 30 % Löwenzahn
Eva Schlegel - Falling up
Die Vielschichtigkeit von Raum eröffnet ein weites Feld der Reflexion, in dem Physik, Philosophie und Kunst zentrale Rollen spielen – Letztere als Medium, das nicht nur beschreibt, sondern erfahrbar macht, wie Raum wirkt und wie wir uns in ihm verorten.Eva Schlegel (geboren 1960 in Hall in Tirol) erforscht seit geraumer Zeit, wie Wahrnehmung und Immaterialität die Beziehung zum Raum prägen. Ihre Praxis umfasst eine Vielzahl künstlerischer Ausdrucksformen wie Skulpturen, Fotografien, Bildobjekte, Videos und Augmented-Reality-Projekte. Diese Vielfalt ist Ausdruck einer konsequenten Auseinandersetzung mit der Frage, wie wir Raum nicht nur sehen, sondern auch denken und fühlen. Ihre Werke eröffnen Zwischenräume und heben die scheinbar festen Grenzen des Raums auf. Ein prägnantes Beispiel dafür sind ihre Spiegelarbeiten, die „zugleich das Alte betrachten, aber auch ins Neue schauen“ lassen. Hier wird der Raum zur Bühne, auf der Vergangenheit und Zukunft ineinandergreifen.
Der Verlust von Orientierung angesichts weitgreifender globaler Krisen zählt zu den vorherrschenden Erfahrungen der Gegenwart. Die Ausstellung Falling up greift dieses Empfinden auf und setzt ihm eine andere Sichtweise entgegen. Der paradoxe Titel – „nach oben fallen“ – stellt die Gesetzmäßigkeiten der Schwerkraft infrage und eröffnet die Möglichkeit, den Verlust von Orientierung nicht ausschließlich als Bedrohung, sondern auch als Perspektivwechsel zu begreifen.
Eva Schlegel (*1960 in Hall in Tirol, lebt und arbeitet in Wien), ausgezeichnet mit dem Österreichischen Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst, zählt zu den wichtigsten Stimmen der österreichischen Gegenwartskunst. Ihre internationale Anerkennung zeigt sich auch in ihrer Rolle bei der Biennale von Venedig: 1995 vertrat sie Österreich mit eigenen Arbeiten, 2011 kuratierte sie den österreichischen Pavillon, den Markus Schinwald künstlerisch bespielte. Von 1997 bis 2006 lehrte sie an der Akademie der bildenden Künste in Wien und gab ihre Auseinandersetzung mit Wahrnehmung und Raum an Studierende weiter.
Kuratiert von Katia Huemer
(Bild: Eva Schlegel, in between, 2011 (Videostill), © Bildrecht, Wien 2026)
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Bewertungen & Berichte Eva Schlegel - Falling up
Space Race - Outer Spaces
Outer Spaces impliziert eine Reise jenseits des Bekannten und Akzeptierten. Der Jahresprogrammschwerpunkt des Kunsthauses zeigt künstlerische Positionen, die sich an die (kritische) Erforschung wissenschaftlicher, philosophischer und interdisziplinärer Konzepte von (Welt-)Raum, Zeit und menschlicher Wahrnehmung wagen.Der Weltraum – als ein Raum, der sich jenseits unseres Begreifens und unseres Wissens erstreckt –, ist nach wie vor eines der zentralen Interessen menschlicher Forschung und beflügelt seit jeher unsere Vorstellungskraft. Es gibt kaum eine Kultur, die keine besondere Beziehung zum Universum und zu den Sternen entwickelt hat. Wissenschaft, Mythologien und Religionen wurden von der Beobachtung des Himmels und von Vorstellungen über den Kosmos inspiriert. Es scheint, dass der Weltraum auch heute noch als Katalysator für Fantasie und Fiktion, aber auch – vehementer denn je – für Macht und Dominanz dient.
Die Gruppenausstellung Space Race erforscht Ideen zur Konstruktion, Untersuchung und Wahrnehmung des Universums. Diese Ideen werden oft durch minimalistische und konzeptuelle Kunstpraktiken untersucht, die einen wichtigen Ausgangspunkt für die Betrachtung dafür bieten, wie „Räume“ – ganz generell – immer auch sozial, politisch und wirtschaftlich konstruiert werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt der Ausstellung ist die Untersuchung der sozialen Implikationen von „Raum“: die Vorstellung, dass jeglicher Raum schon immer Gegenstand von Eigentumsverhältnissen war. Ursprüngliche Vorstellungen, wonach der Weltraum kollektivem Eigentum unterliege und für nichtmilitärische Zwecke genutzt werde, bröckeln gerade rasant. Da die Ressourcen auf der Erde immer knapper werden, werden neue Weltraumprogramme nicht nur von menschlicher Neugier, sondern auch vom Wunsch angetrieben, Zugriff auf neue Gebiete und Ressourcen zu erlangen. Der ultimative Wettlauf um die Macht im Weltraum ist bereits in vollem Gange.
Das Kunsthaus Graz entwickelte für das Jahr 2027 ein Programm, das sich um das Konzept des Raums dreht und wird nachzeichnen, wie sich unsere Wahrnehmung und unser Verständnis von Raum verändert haben – von der Betrachtung des Raums als Bühne hin zur Anerkennung des Raums als Prozess –, partizipativ und dynamisch. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Physik und dem Institut für Philosophie der Universität Graz werden wir einen interdisziplinären Ansatz verfolgen, um zu untersuchen, wie Ideen aus Physik, Philosophie, Kunst und Theorie unser Verständnis von Raum widerspiegeln, bereichern und vertiefen können, wie sie aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen im Zusammenhang mit der Erforschung des Raums kritisch reflektieren und gleichzeitig unsere Vorstellungskraft bereichern.
Kooperation mit
Universität Graz | Institut für Physik, Institut für Philosophie und dem interdisziplinären Forschungsschwerpunkt Wahrnehmung: Episteme, Ästhetik, Politik
Kuratiert von Andreja Hribernik
(Bild: Moira Ricci, Dove il cielo è più vicino, 2014, Videostill, Courtesy Moira Ricci & Associazione culturale Dello Scompiglio)
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Finnegan Shannon
Do you want us here or not (MMK) – Bench 2, 2021
Die Arbeit von Finnegan Shannon beschäftigt sich mit dem Thema Barrierefreiheit und mit der Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderung.Die Entwicklung von Sitzmöbeln mit weißen, oft lustig-provokanten Schriftzügen weist darauf hin, dass in den öffentlichen Räumen oft darauf vergessen wird, genug Sitzgelegenheiten bereitzustellen. Sitzen ist demokratisch. Denn Sitzende sind auf Augenhöhe, entspannt und einander zugewandt.
Inklusion ist im Kunsthaus Graz seit Jahren wichtiges Thema des Leitbildes und der Vermittlung. Schwellenlos ist bereits die Architekturvermittlung gedacht, beispielsweise mit Spezialführungen für Menschen mit Behinderungen. Inklusion bedeutet in diesem Fall sowohl rückläufige Zusammenarbeit als auch Sichtbarmachung von Bedürfnissen jenseits der sogenannten Norm. In diesem Zusammenhang sind im Ausstellungshaus immer wieder auch die Sitzgelegenheiten ein Thema: Sitzen ist ein wichtiges Bedürfnis – zum Ausruhen, zur Kontemplation, aber auch zum Zusammenkommen.
Passend zur neuen Bank aus Finnegan Shannons Projektreihe Do you want us here or not wurden auch die Sitzbänke am Vorplatz in Azurblau eingefärbt.
Mit freundlicher Unterstützung von styrianARTfoundation und Saubermacher.
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Kunstvermittlung im Kunsthaus Graz
Kunstvermittlung im Kunsthaus Graz nimmt eine zentrale Rolle ein, um den Zugang zu Kunst und Kultur für alle Menschen zu etablieren. Kunstvermittler*innen im Kunsthaus Graz gestalten Ausstellungserlebnisse und fördern kritische Reflexionen über aktuelle Ausstellungen und Themen. Sie entwickeln Programme und Formate für unterschiedliche Zielgruppen wie Ausstellungsrundgänge, partizipative Formate und Workshops.Kunstvermittlung im Kunsthaus Graz bewerten:
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Familienrundgang
Der Familienrundgang findet jeden 2. Samstag im Monat statt und lädt alle Familienmitglieder ab 6 Jahren zum Mitmachen sowie zum Entdecken des Hauses und der Ausstellungen ein.Familienrundgang bewerten:
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Webcam BIX Medienfassade bewerten:
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Kunsthaus Graz
Als architektonischer Schlusspunkt des „Europäischen Kulturhauptstadtjahres“ öffnete das Kunsthaus Graz 2003 seine Pforten. Mittlerweile ist der „Friendly Alien“ mit seiner biomorphen Architektur von Peter Cook und Colin Fournier nicht nur Anziehungspunkt für Kunst- und Kulturinteressierte aus aller Welt, sondern auch essenzieller Bestandteil der städtebaulichen Identität der Stadt Graz. Als Ausstellungszentrum für Gegenwartskunst zeigt es österreichische und internationale Kunst seit 1960. Die BIX Medienfassade des Kunsthauses Graz, gestaltet von den Berliner Designern „realities:united“, stellt eine einzigartige Fusion aus Architektur und Medientechnologie dar. Wie ein urbaner Bildschirm dient sie als Instrument für künstlerische Kommunikation.Kunsthaus Graz bewerten:
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