Ausstellungen / Museum
Österreichischer Skulpturenpark Unterpremstätten
Unterpremstätten, Thalerhofstraße 85
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Eva Schlegel - Falling up
Kunsthaus Graz
Die Vielschichtigkeit von Raum eröffnet ein weites Feld der Reflexion, in dem Physik, Philosophie und Kunst zentrale Rollen spielen – Letztere als Medium, das nicht nur beschreibt, sondern erfahrbar macht, wie Raum wirkt und wie wir uns in ihm verorten. Eva Schlegel (geboren 1960 in Hall in Tirol) erforscht seit geraumer Zeit, wie Wahrnehmung und Immaterialität die Beziehung zum Raum prägen. Ihre Praxis umfasst eine Vielzahl künstlerischer Ausdrucksformen wie Skulpturen, Fotografien, Bildobjekte, Videos und Augmented-Reality-Projekte. Diese Vielfalt ist Ausdruck einer konsequenten Auseinandersetzung mit der Frage, wie wir Raum nicht nur sehen, sondern auch denken und fühlen. Ihre Werke eröffnen Zwischenräume und heben die scheinbar festen Grenzen des Raums auf. Ein prägnantes Beispiel dafür sind ihre Spiegelarbeiten, die „zugleich das Alte betrachten, aber auch ins Neue schauen“ lassen. Hier wird der Raum zur Bühne, auf der Vergangenheit und Zukunft ineinandergreifen. Der Verlust von Orientierung angesichts weitgreifender globaler Krisen zählt zu den vorherrschenden Erfahrungen der Gegenwart. Die Ausstellung Falling up greift dieses Empfinden auf und setzt ihm eine andere Sichtweise entgegen. Der paradoxe Titel – „nach oben fallen“ – stellt die Gesetzmäßigkeiten der Schwerkraft infrage und eröffnet die Möglichkeit, den Verlust von Orientierung nicht ausschließlich als Bedrohung, sondern auch als Perspektivwechsel zu begreifen. Eva Schlegel (*1960 in Hall in Tirol, lebt und arbeitet in Wien), ausgezeichnet mit dem Österreichischen Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst, zählt zu den wichtigsten Stimmen der österreichischen Gegenwartskunst. Ihre internationale Anerkennung zeigt sich auch in ihrer Rolle bei der Biennale von Venedig: 1995 vertrat sie Österreich mit eigenen Arbeiten, 2011 kuratierte sie den österreichischen Pavillon, den Markus Schinwald künstlerisch bespielte. Von 1997 bis 2006 lehrte sie an der Akademie der bildenden Künste in Wien und gab ihre Auseinandersetzung mit Wahrnehmung und Raum an Studierende weiter. Kuratiert von Katia Huemer (Bild: Eva Schlegel, in between, 2011 (Videostill), © Bildrecht, Wien 2026)
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30 % Löwenzahn
Kunsthaus Graz
Der Löwenzahn – als Blume, botanisches Gewächs, kulturelles Symbol und ästhetisches Phänomen – besitzt Stärke und stillen Mut. Unauffällig und doch ausdauernd passt er sich radikal an, kehrt zurück und leistet Widerstand. Unter dem Titel 30 % Löwenzahn vereint die Ausstellung im Kunsthaus mehr als 35 Werke, die sich der Blume und ihrer direkten Verbindung mit dem Menschen widmen – der Mensch teilt etwa 30 % seines genetischen Materials mit der Blume –, mit einzelnen Leihgaben aus den Sammlungen des Universalmuseums Joanneum. In den Arbeiten begegnen wir der Schwermut einer bröckelnden Gegenwart. Gleichzeitig nehmen sie uns mit auf eine Reise in die uns vertraute, schöne und berauschende Ästhetik der Blume und ihres Ausdrucks der Lebensfreude. Es geht dabei um wiederkehrende Ankunft, symbiotische Kooperation und Abschied: poetisch, politisch und ökologisch. Der Löwenzahn fungiert dabei sowohl als Leitbild für adaptive Stärke als auch für eine Sprache, die von allen gesprochen wird. Im Geiste der Floriographie – der historischen Sprache der Blumen – wird er zu einer transkulturellen Geste der Anerkennung und Kommunikation: übersehen, aber beharrlich und schön. Als Blume der Ränder, der Wiesen und Gärten bietet er ein symbolisches Vokabular, das sich normierender Einengung widersetzt, in Alltagssprachen spricht, Heilkräfte besitzt und niederschwellig in der strahlenden Farbe der Sonne die ihn befruchtenden Insekten anlockt. Die Ausstellung stützt sich dabei ebenso auf das Konzept des "entanglements" wie auf philosophische und ökologische Rahmenkonzepte der „ästhetischen Offerte“ (Elaine Scarry) und der „kritischen Hybridität“ – und verbindet sich darüber auch mit der Ausstellung Hybrid Pleasures. Helen Chadwick supported by Liesl Raff im Obergeschoss, in der produktive und provokative Formen einer vielstimmigen Hybridität zum Thema werden. Die „entanglements“ bzw. Verflechtungen werden dabei, wie es von Denker*innen wie Donna Haraway, Karen Barad und Timothy Morton formuliert wurde, ebenso politisch und kolonial aufgeladen wie als gattungs- oder geschlechterüberschreitend verstanden. Wenn Haraway schreibt: „Wir werden miteinander oder gar nicht“, gilt es, diesen Verbindungen auf die Spur zu kommen und die Erkenntnisse für eine gerechte Zukunft nutzen. Inmitten ökologischer Krisen, kolonialer Nachwirkungen und digitaler Beschleunigung fordert 30 % Löwenzahn neue Formen der Aufmerksamkeit – abgestimmt auf das, was langsam wächst, Zeit fordert und still zurückkehrt. Die Blume an sich, aber auch der Löwenzahn mit seinen sich ausbreitenden Samen, seiner natürlichen Heilkraft und seinem gemeinschaftlichen Gedeihen verkörpert dieses Prinzip einer ethischen Lebensweise der Koexistenz. Mit u. a. Iris Andraschek, Suzanne Anker, Karl Blossfeldt, Andrea Bowers, Viltė Bražiūnaitė & Tomas Sinkevičius, Claude Cahun, Regula Dettwiler, Spencer Finch, Barbara Frischmuth, Anita Fuchs, Yevhen Holubentsev, Sanja Iveković, Anna Jermolaewa, Markus Jeschaunig, Claudia Larcher, Jonas Mekas, Joiri Minaya, Ryts Monet, Alois Neuhold, Agnieszka Polska, Anna Ridler, Ugo Rondinone, Martha Rosler, Sonya Schönberger, Nina Schuiki, Elfie Semotan, Petr Štembera, Alexander Stern, Thomas Stimm, Michael Stusser, Neja Tomšič, Dirck van Rijswijk, Anna Zemánková und weiteren Leihgaben aus Sammlungen der Kulturgeschichte, Naturkunde oder Literatur entfaltet sich die Ausstellung als vielstimmige Auseinandersetzung mit der Blume, ihrer Zuschreibung und Kraft der Anziehung. Das Projekt ist Teil des Kooperationsprojekts BLOOM, das von Frühling bis Winter 2026 die Standorte des Universalmuseums Joanneum verbinden wird. (Bild: Joiri Minaya, Shield, 2022, © Joiri Minaya)
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Peter Fischli: Wir Ungestalten
Robert Musil Literatur Museum
Dass Peter Fischli gerne Robert Walser liest und mit ihm im Kopf durch Stadt und Land geht, verwundert nicht. Beide teilen jenen eigensinnigen Humor, der im Alltäglichen wurzelt und im Unscheinbaren blüht, ohne je ins Banale abzugleiten. Schon Fischlis Zusammenarbeit mit David Weiss war von dieser Haltung geprägt: von einer Kunst des Schauens, die dem Zufälligen vertraut und im Nebensächlichen Bedeutung findet. In Wir Ungestalten führt Peter Fischli diesen Gedanken fort. Das ›Ungestalte‹ ist kein Mangel, sondern ein Zustand offener Form: das Vorläufige, das sich jeder endgültigen Deutung entzieht. Die Arbeiten bewegen sich zwischen Skulptur und Spur, Beobachtung und Erfindung, Witz und Melancholie. Sie entstehen im Moment des Entdeckens, im leisen Staunen über das beinahe Übersehene. So resultiert ein poetisches Archiv flüchtiger Spuren: traumwandlerische Bilder jener schaumgeborenen Skulpturen, die nachts an Parkbänken, Pfosten, Briefkästen oder Türgriffen auftauchen. Minimal-invasive Eingriffe im öffentlichen Raum, der durch diese vergänglichen Gesten zum Spielfeld eines verschmitzten Vandalismus wird. Gemeinsam mit dem Team des Robert Walser-Zentrums hat Peter Fischli über zwei Dutzend Arbeiten gehängt und dabei seiner kuratorischen Ader freien Lauf gelassen. Die ›Ungestalten‹ bevölkern nicht nur die Büros der Mitarbeitenden, sondern auch den sonst unzugänglichen Archivbereich.
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Lika Nüssli: ›Für die Katz‹
Robert Musil Literatur Museum
Ausstellung im Robert Walser-Zentrum Mit 69 Aquarellen von Lika Nüssli nach Feuilletons von Robert Walser Die preisgekrönte Künstlerin Lika Nüssli lässt sich von Robert Walsers rund 1000 Kurztexten inspirieren und verwandelt deren subtile Ironie in kraftvolle, poetische Aquarelle. In 69 grossformatigen Arbeiten entfaltet Nüssli einen verspielten und einfallsreichen bildnerischen Dialog mit Walser. Die Ausstellung markiert zugleich die Veröffentlichung der Feuilletonabteilung von Robert Walsers Werken in der massgeblichen Berner Ausgabe im Suhrkamp Verlag – ein literarisches Ereignis, das in Bern auch bildkünstlerisch gefeiert wird. Die sieben Bände umfassende Ausgabe, die in der Ausstellung aufliegt, versammelt Robert Walsers sämtliche kurzen Texte – Erzählungen und Prosastücke, Gedichte und Theaterszenen –, die ursprünglich in Zeitungen und Zeitschriften erschienen, in der Reihenfolge ihres Erscheinens. Dieses ›Schreiben für die Katz‹, wie Walser seine Arbeit für die Medien jener Zeit nannte, bildete sein literarisches Hauptgeschäft. Er betrieb es während seiner ganzen Autorenkarriere – von den ersten Gedichten im Jahr 1898 bis zu den letzten, 1948 von seinem Vormund veröffentlichten Texten. Die Feuilletons zeigen Walser als scharfen Beobachter seiner Zeit, als Meister der Miniatur und als unermüdlichen Experimentator mit Sprache und Form. Mit der Berner Ausgabe werden diese Texte nun erstmals in einer kommentierten Edition vollständig und für ein breites Publikum zugänglich gemacht. Mit Robert Walser ist Lika Nüssli, die St. Galler Künstlerin, die mit ihrer eindrücklichen Graphic Novel Starkes Ding internationale Aufmerksamkeit erlangte, auf besondere Weise vertraut. »Robert Walser ist für mich jemand, den ich schon immer zu kennen glaube«, sagt sie. Bereits in ihrer Jugend stiess sie auf sein Werk – durch die Bücher ihrer Schwester, ein Theaterstück in Herisau und später durch die faszinierenden Mikrogramme. Walsers Schriften, »voll wunderbarer Ironie und frechem Augenzwinkern«, begleiten sie bis heute. »Zeichnen bedeutet für mich nachdenken, die Welt beobachten und in eine Form bringen – als Vorschlag, als Angebot für andere.« In ihrer Ausstellung macht Nüssli sichtbar, wie sie Walsers Geschichten weiterspinnt, verdreht und ins Offene, Fluide erweitert. Ihre Werke entstehen aus dem Moment heraus, im Vertrauen auf die Assoziation, und verwandeln Zeit und Raum in jenes »kleines Nichts«, das sich zwischen Walser, seinem Werk und ihr selbst auftut. Lika Nüssli erforscht und erprobt Narration in vielfältigen Formen. Ihr umfangreiches Werk, das Zeichnungen, Illustrationen, Performances und Texte umfasst, wurde mehrfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Schweizer Literaturpreis 2023 für die Graphic Novel Starkes Ding, erschienen in der Edition Moderne. Die Ausstellung Lika Nüssli: ›Für die Katz‹ ist eine ebenso eigenwillige wie originelle Auseinandersetzung mit Robert Walsers Feuilletons und zugleich eine Hommage an dessen unverwechselbares literarisches Universum. Öffnungszeiten Mittwoch bis Freitag, 13–17 Uhr und nach Vereinbarung Freier Eintritt, Führungen auf Anfrage
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Michael Gülzow - Das Tor zur Unwirklichkeit
Kunsthaus Graz
Was wäre, wenn wir uns einfach zwischen Nachrichten und fiktiven Welten hin- und her bewegen könnten, seien es Science-Fiction-Filme oder KI-generierte Fake-Realitäten? Würden wir es bemerken oder sind diese Welten schon so ununterscheidbar geworden, dass wir sie alle für gleichermaßen wahr – oder Fake – halten würden? In Michael Gülzows Videoinstallation, die rund um eine neue Drei-Kanal-Videoarbeit aufgebaut ist, wie auch in dem von ihm gestalteten Trailer zur Diagonale ’26, können die Protagonist*innen nicht nur durch die Zeit reisen, sondern wechseln dabei auch mühelos zwischen Nachrichtensendungen, Szenerien des Science-Fiction-Genres und „alternativen Fakten“. Der Künstler löst durch die raffinierte Montage von Found Footage und selbst gedrehtem Material die Grenzen zwischen Realität und Fiktion auf und lässt sie in einen vielschichtigen und humorvollen Dialog treten. Er untersucht kritisch das Spannungsfeld von zeitgenössischer Bildproduktion (mit ihren sich rasant entwickelnden technologischen Möglichkeiten) und der medialen Konstruktion von Wahrheit (mit ihren beängstigenden Strategien der Verführung und Täuschung). Durch die offensichtliche Bearbeitung und Montage in Glitch- und Retro-Ästhetik schafft er keine Illusionen, sondern macht die Mechanismen medialer Manipulation sichtbar und dekonstruiert durch die Selbstermächtigung der Protagonist*innen postfaktische Narrative. Die Ambivalenz von visuellem Wahrheitsbeleg und der Konstruktion (fiktiver) Realitäten liegt im Wesen des Filmischen selbst. Konsequenter und ironischer Weise genau in diesem Medium fragt Gülzow angesichts des gefühlten Kontrollverlusts in einer hypermedialisierten Welt, ob wir uns unser Bild von Welt noch selbst machen oder ob wir diese Kompetenz schon längst an die Medien und künstliche Intelligenzen abgegeben haben. Michael Gülzow, geboren 1982 in Kiel, hat an der Akademie der bildenden Künste in Wien Medienkunst und Experimentalfilm bei Constanze Ruhm und Harun Farocki sowie an der Muthesius Kunsthochschule Kiel bei Stephan Sachs und Else Gabriel studiert. Sein Spielfilmdebüt, die Mockumentary Der tote Winkel der Wahrnehmung, wurde bei der Diagonale 2025 mit dem Preis für Innovatives Kino ausgezeichnet. Er lebt als Künstler und Filmemacher in Wien. In Kooperation mit Diagonale '26 Kuratiert von Martin Grabner (Bild: Filmstill © Michael Gülzow)
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Cemra - Ziamliačka
Cemra - Ziamliačka
Kunsthaus Graz
Ziamliačka – belarussisch für „eine Frau, die vom gleichen Boden stammt“ – ist Cemras aktuellstes Projekt, Performance, Installation und Herzensangelegenheit zugleich. Am Beginn stand der (verbotene) Transport von 225 kg belarussischer Erde nach Polen und die Extraktion des Dufts, um auf diese Weise die ihr unerreichbare Heimat und damit verbundene Erinnerungen als olfaktorisches Archiv zu bewahren. Gerüche sind starke Erinnerungsträger, da sie direkt mit dem limbischen System verbunden sind. Dadurch können sie scheinbar vergessene Erinnerungen blitzschnell heraufbeschwören. Der Prozess der Duftextraktion erstreckte sich dabei über mehrere Monate und Phasen. Schichten von Erde auf Vaseline wurden von Cemra alle zehn Tage dreimal gewechselt, anschließend weitere zehn Tage lang mit Alkohol bedeckt und danach 24 Stunden lang verdunstet. Fett und Ethanol konservierten dabei den Geruch dessen, was der Künstlerin weggenommen wurde. So bleibt das Extrakt in der Installation in einem handgeblasenen Flakon auch nur sicht- und nicht direkt riechbar. Die Erde, die Cemra installativ in einem minimalistischen Glaskubus in der Needle des Kunsthauses Graz aufgehäuft präsentiert, ist mehr als nur Materie: Sie ist ein politischer Körper, der Grenzen überschreitet, Heimat bewahrt und sich der Auslöschung widersetzt – indem sie privaten Verlust in ein gemeinsames Archiv für alle Exilant*innen verwandelt. Gleichzeitig steht sie für jene Energie, die Cemra während ihrer Jahre im Exil verloren hat und die es wieder aufzufüllen gilt: „Wahre Kraft kommt nicht nur von denen, die neben dir stehen, sondern auch vom Boden unter deinen Füßen.“ Zur Eröffnung ihrer Ausstellung im Kunsthaus Graz schließt Cemra den Bogen, der mit einem aktivistischen Akt begonnen hat, mit einer poetisch-melancholischen Performance, in der sie ein Schlaflied aus der für sie verlorenen Heimat neu interpretiert. „Cemra“ bedeutet Dunkelheit. Unter diesem Namen arbeitet die aus Belarus stammende Künstlerin Darya Siamchuk (* 1990 in Grodno), die seit den Razzien der prorussischen Regierung 2022, die sich gegen freie Meinungsäußerung und unabhängige Organisationen der Zivilgesellschaft richteten, in Warschau im Exil lebt. Der Schmerz und die Risse, die die Situation in ihrer Heimat mit sich bringt, spiegeln sich deutlich in Cemras Werken wider. Sie handeln von Verletzlichkeit, Repression, Trauma und Solidarität und vermitteln eine Schwere, die die Grausamkeit und Gewaltbereitschaft des Regimes gegenüber Kritiker*innen spürbar macht. Dennoch lässt Cemra ihre Heimat nicht los. In ihren multidisziplinären Arbeiten tauchen wiederholt nationale Embleme und Symbole auf, die sich sowohl als patriotische Codes als auch als Ausdruck der Resilienz eines unterdrückten Volkes lesen lassen. Kooperation mit Kulturvermittlung Steiermark Kuratiert von Alexandra Trost (Bild: Cemra. Ziamliačka, 2025; Courtesy der Künstlerin)
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Finnegan Shannon
Kunsthaus Graz
Die Arbeit von Finnegan Shannon beschäftigt sich mit dem Thema Barrierefreiheit und mit der Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderung. Die Entwicklung von Sitzmöbeln mit weißen, oft lustig-provokanten Schriftzügen weist darauf hin, dass in den öffentlichen Räumen oft darauf vergessen wird, genug Sitzgelegenheiten bereitzustellen. Sitzen ist demokratisch. Denn Sitzende sind auf Augenhöhe, entspannt und einander zugewandt. Inklusion ist im Kunsthaus Graz seit Jahren wichtiges Thema des Leitbildes und der Vermittlung. Schwellenlos ist bereits die Architekturvermittlung gedacht, beispielsweise mit Spezialführungen für Menschen mit Behinderungen. Inklusion bedeutet in diesem Fall sowohl rückläufige Zusammenarbeit als auch Sichtbarmachung von Bedürfnissen jenseits der sogenannten Norm. In diesem Zusammenhang sind im Ausstellungshaus immer wieder auch die Sitzgelegenheiten ein Thema: Sitzen ist ein wichtiges Bedürfnis – zum Ausruhen, zur Kontemplation, aber auch zum Zusammenkommen. Passend zur neuen Bank aus Finnegan Shannons Projektreihe Do you want us here or not wurden auch die Sitzbänke am Vorplatz in Azurblau eingefärbt. Mit freundlicher Unterstützung von styrianARTfoundation und Saubermacher.
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Maruša Sagadin - Speak More Truth, Eat More Fruit
Kunsthaus Graz
Die in Wien lebende Künstlerin Maruša Sagadin, bekannt für ihre schrägen skulpturalen Interventionen, wurde vom Kunsthaus Graz eingeladen, eine ortsspezifische Intervention für den Vorplatz des Hauses zu entwerfen. Als Antwort auf die Umgebung und das Haus entstand der Entwurf für eine mehrteilige, raumgreifende Skulptur. Sie besteht aus Granitsteinen mit hölzernen Sitzflächen, bietet Raum und Witz und ist einladend bunt bemalt. Für den Stadtraum kombiniert das temporär geplante Projekt skulpturale Elemente, die einerseits Markierungen für das Haus und seine Inhalte darstellen und andererseits ein Angebot an Passant*innen und Wartende sind, sich niederzulassen und sich mit dem Ort zu beschäftigen. Das Zentrum der Arbeit bildet eine skulpturale, röhrenförmige Hängevorrichtung mit einer überdimensionalen, ca. 1 m hohen, gelb lackierten Birne. Speak More Truth, Eat More Fruit zitiert einen Song der Rapperin Speech Debelle und ist zugleich Aufforderung und Verweis auf die Wurzeln der Künstlerin, die Elemente der Street-Art-, Pop-, Comic- und Hip-Hop-Kultur vereint. Sagadins Arbeit bricht lustvoll mit etablierten Codes und legt dabei sensibel soziale Ein- und Ausschlussmechanismen im urbanen Raum offen. Kuratiert von Katrin Bucher Trantow Kooperation mit Marko Hotels (Bild: © Maruša Sagadin, Christine König Galerie, Wien, Bildrecht, Wien 2025)
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BIX-Medienfassade: Radikale Hoffnung - Flavia Mazzanti
Kunsthaus Graz
Beyond My Skin von Flavia Mazzanti wird als Gewinnerprojekt der BIX-Ausschreibung auf der Medienfassade des Kunsthauses Graz gezeigt. Das Projekt erforscht die Interaktion zweier Körper im physischen-digitalen Raum, wobei Nähe und Intimität über Distanz erfahrbar werden. Installation an der Fassade und im Foyer Für die Fassade wechselt die Installation zwischen eingefrorenen Momenten der Begegnung und fließenden Strömen aus Licht und Energie, die die Suche nach Verbindung und Austausch im urbanen Umfeld von Graz übersetzen. Parallel dazu lädt eine Mixed-Reality-Installation im Foyer Besucher*innen ein, der Choreografie und den tanzenden Körpern im digitalen Raum zu begegnen und selbst Teil der virtuellen Begegnung zu werden. Hintergrund des Projekts Beyond My Skin ist ein künstlerisches Langzeitprojekt der Multimedia-Künstlerin Flavia Mazzanti (* 1994 in Italien/Brasilien, lebt in Wien und São Paulo). Es beschäftigt sich mit wachsenden Räumen technologisch-analoger Hybridität. Das Projekt begann als interaktive Installation und Live-Performance und befasst sich mit dem Konzept der Berührung im physisch-digitalen Raum. Performer*innen wurden in Echtzeit mittels Motion-Capture-Technologie in abstrakte digitale Konfigurationen transformiert und sind seither in verschiedenen Formaten erfahrbar: als interaktive Installation, Live-Performance und Videoinstallation. Entwicklung und bisherige Stationen Die Live-Performance hatte im Mai 2023 am AIL – Angewandte Interdisciplinary Lab in Wien Premiere. Seitdem wurde das Projekt u. a. im esc medien kunst labor in Graz im Rahmen des steirischen herbsts 2023 sowie im März 2024 im Deep Space 8K des Ars Electronica Centers gezeigt. Darauf aufbauend erweiterte sich das Projekt um neue Ebenen: Mixed-Reality-Interventionen im öffentlichen Raum in Wien, Tokio und São Paulo. Später wurde es für Ausstellungen bei internationalen Festivals und Institutionen adaptiert, darunter das MESH Festival in Basel, das Festival der Zukunft im Deutschen Museum in München sowie die CONTRAST Gallery in Tokio. BIX-Fassade als neuer Schauplatz An der Medienfassade des Kunsthauses Graz schmiegen sich die beiden Körper nun an die organische Architektur, füllen die hervortretenden Rundungen aus und tragen den Dialog zwischen digitalen und analogen Körpern unmittelbar in den Stadtraum. Die digitalen Schatten der Figuren – die sich annähern, überlagern, verdrängen, auflösen und verdichten – schaffen ein assoziatives Bild verschmelzender digitaler und analoger Realitäten, wie wir sie im Alltag erleben. Juryentscheidung und Relevanz Die Jury wählte die Arbeit aufgrund ihrer direkten Ansprache. Im Sinne einer „Radikalen Hoffnung“ birgt sie das Potenzial, digitale und analoge Welten unvoreingenommen und produktiv miteinander in Einklang zu bringen. Die sich auflösende menschliche Figur macht dies unmittelbar verständlich und lädt sowohl an der Fassade als auch im Foyer dazu ein, virtuelle und analoge Welten bewusst zu erleben. Kuratiert von Katrin Bucher Trantow Kooperation mit Energie Graz (Bild. Video Still © Flavia Mazzanti)
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Emilija Škarnulytė - Waters call me home
Kunsthaus Graz
Die Künstlerin Emilija Škarnulytė (* 1987 in Vilnius, Litauen) arbeitet zwischen Dokumentation und Imagination. Ihre Filme und Installationen erforschen die Tiefen der Zeit und unsichtbare Strukturen, vom Kosmischen und Geologischen bis zum Ökologischen und Politischen. Mit mythologischer Symbolik angereichert, eröffnen ihre Werke eine Sichtweise jenseits der rein menschlichen Perspektive. Figuren wie die Sirenomelia – inspiriert von der ältesten mythischen Gestalt der Menschheitsgeschichte, der Meerjungfrau, und verkörpert durch die Künstlerin selbst – sowie verschiedene weibliche Gottheiten bevölkern eine Welt, die durch den Menschen gezeichnet ist. In den entlegensten Winkeln jenseits menschlichen Einflusses bleibt die Hoffnung bestehen, dass es ein Leben nach der Zerstörung geben kann. Für ihre Einzelausstellung im kuppelförmigen Space01 erschafft Emilija Škarnulytė eine Raumerfahrung aus Video, Licht, Sound und Artefakten, die in die mystische Seite unserer Welt eintauchen lässt. Kuratiert von Katia Huemer, Alexandra Trost (Bild. Emilija Škarnulytė, Æqualia, 2023 (Videostill))
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Unseen Futures to Come. Fall
Kunsthaus Graz
Die Ausstellung Unseen Futures to Come. Fall dreht sich um die Erfahrung von Unsicherheit als wesentlichen Aspekt des heutigen Lebens. Heute wird die globale Unsicherheit durch die unkontrollierte Ausbeutung von natürlichen Ressourcen und Menschen noch verstärkt; wir sehen uns mit Umweltzerstörung, Krieg, politischer Instabilität und Massenvertreibungen konfrontiert. Dabei handelt es sich nicht nur um Krisen, sondern um Zeichen eines tiefgreifenden Wandels – ein Moment, in dem die Grundfesten der Welt, wie wir sie kennen, zu bröckeln scheinen. Im Zentrum dieser gegenwärtigen Situation stehen die komplexen und oft unsichtbaren Mechanismen von Machtverhältnissen und Machtasymmetrien, die globale Ungleichheiten prägen, den Zugang zu Ressourcen beeinflussen und darüber entscheiden, wessen Leben wertvoll ist und wessen nicht. Macht ist keine feste Größe, die man besitzen kann, sondern ein Netzwerk von Beziehungen, das in politische Strukturen, Wirtschaftssysteme und soziale Beziehungen eingebettet ist und durch diese aufrechterhalten wird. Sie verstärkt die Unsicherheit, indem sie systemische Ungleichgewichte aufrechterhält, selbst wenn sie durch Widerstand und Transformation infrage gestellt wird. Das Verständnis dieser Dynamik ist entscheidend, um zu begreifen, wie Unsicherheit in unserer Zeit sowohl erzeugt als auch herausgefordert wird. Die Unsicherheit, die unseren heutigen Zeiten zugrunde liegt, führt zu einer Ambivalenz, die im Zentrum der Ausstellung Unseen Futures to Come. Fall steht. Diese Ambivalenz spiegelt die gleichzeitige Präsenz von Licht und Dunkelheit in der conditio humana wider. Wir sind zu großer Liebe und Fürsorge fähig, aber auch zu Grausamkeit und Zerstörung. Diese Dualität ist nicht leicht zu begreifen, da sie in unsere alltägliche Erfahrung verwoben ist – etwas, das wir ohne Distanz erleben. Es scheint nun, als habe diese Ambivalenz eine dunklere Wendung genommen, und vielleicht erleben wir gerade den Niedergang der Menschheit. Dennoch können wir aus vergangenen Mustern lernen: Das Gefühl eines Endes geht oft großen Paradigmenwechseln voraus, Veränderungen, die sich nicht nur in den Produktionsweisen, sondern auch in ganzen Kultur- und Wertesystemen niederschlagen. Die Ausstellung untersucht diesen fragilen und sich wandelnden Untergrund anhand von zwölf künstlerischen Positionen, die sich mit Themen wie Unsicherheit, Zusammenbruch, Widerstandsfähigkeit und Transformation auseinandersetzen. Eines der zentralen Werke ist eine Bibliothek namens Fall. A Library of Twilight Worlds, konzipiert vom Philosophen Federico Campagna. Diese Sammlung von 250 theoretischen und philosophischen Büchern ist um die Metapher der Jahreszeiten strukturiert, die unsere Herangehensweise an die Welt und unsere Wahrnehmung derselben symbolisieren. In diesem Rahmen ist der Herbst die Jahreszeit, in der Gewissheiten verschwinden, Wissen infrage gestellt wird und die Angst vor dem Unbekannten zunimmt. Die Ausstellung verwebt Gegensätze wie Liebe und Tod, Chaos und Ruhe sowie Zerstörung und Erneuerung, um über das Paradoxon der menschlichen Existenz nachzudenken. Anstatt Antworten zu geben, laden die Werke zum Nachdenken ein und ermutigen uns, an den Fragen festzuhalten, die unsere Zeit prägen. In der Spannung des Herbstes, wenn das Alte dem Unbekannten weicht, werden wir daran erinnert, dass die Dunkelheit niemals endgültig ist. Selbst wenn die Welt ins Wanken gerät, bleibt die Möglichkeit des Lichts – und der Hoffnung – bestehen. Mit Werken von Dana Awartani, Federico Campagna, Christoph Grill, Adelita Husni Bey, Marija Marković, Vladimir Nikolić, Yhonnie Scarce (das Projekt der Künstlerin Yhonnie Scarce konnte mit Unterstützung der Australischen Botschaft gezeigt werden), Andrej Škufca, Jože Tisnikar, Sophie Utikal, Bill Viola, zweintopf. Kuratiert von Andreja Hribernik (Bild: Adelita Husni Bey, aus der Serie Briganti, Difesa (Verteidigung) (Image Theatre warm up), 2023; Courtesy der Künstlerin und Laveronica Gallery, Modica)
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Grazmuseum
GrazMuseum mit der Dauerausstellung "360 GRAZ - Eine Geschichte der Stadt"
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Umweltkunstpreis: Camilla Alberti
Kunsthaus Graz
Zu viele Ressourcen werden verschwendet und landen im Müll – auch Lebensmittel. Doch im Weggeworfenen liegt Potenzial: zur Verwandlung, zur Erinnerung, zum Neuanfang. Camilla Albertis Installation Feeding the Ghost geht aus einer Auseinandersetzung mit der transformativen Kraft der Materie hervor und fragt nach ihrer Rolle bei der Neudefinition unserer Beziehung zum Anderen und zur Welt. Ihre künstlerische Praxis verweist auf alte, rituelle Traditionen, in denen das Verfallene nicht als wertlos gilt, sondern als Träger von Wissen – ein Zugang, der heute neue Dringlichkeit gewinnt. Alberti verwebt skulpturale, textile und rituelle Praktiken zu einer Formensprache der Gegenwart. Grundlage ihrer Arbeit ist eine Sammlung zeitgenössischer Ruinen: verlassene Objekte, organische und anorganische Materialien, Industrieabfälle. Diese finden in ihren Skulpturen und Textilien neue Gestalt. Für Feeding the Ghost verarbeitet sie organische Abfälle wie Schalen, Wurzeln, Kaffeesatz und Samen. Gekocht, verbrannt und pulverisiert werden diese in Pigmente, Pasten und natürliche Bindemittel verwandelt. Gemeinsam mit Blättern, Blüten und Früchten entstehen daraus fragile Formen zwischen Natur, Körper und Erinnerung. Im Zentrum steht die Vorstellung von Materie als lebendiges Archiv: ein Körper in ständiger Veränderung und ein Symbol für die Möglichkeit, zu regenerieren. Der künstlerische Prozess folgt dabei einer ökologischen Sensibilität – achtsam, forschend, verbunden mit den Kreisläufen der Natur. Aus dem Weggeworfenen erschafft Camilla Alberti geisterhafte, hybride Skulpturen – Wesen zwischen den Zeiten. Die Ausstellung Feeding the Ghost findet anlässlich der Verleihung des Umweltkunstpreises des Kunsthauses Graz statt, den dieses in Kooperation mit der Stadt Graz und dem Markt der Zukunft 2025 erstmals vergibt. Kuratiert von Katia Huemer Kooperation mit Stadt Graz und Markt der Zukunft Präsentation des Siegerprojektes "Umweltkunstpreis"
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